232014Jan

Automatisierte Bildanzeige bei Google Mail

Auswirkung auf das E-Mail Marketing (Teil 1)

Google MailIm Dezember 2013 hat Google die Voreinstellungen für das Nachladen von Bildern in externen E-Mails auf eine automatisierte Bildanzeige geändert. Und seit Kurzem ist die Funktion auch auf die mobilen Applikationen in Android und iOS ausgeweitet. Musste man vorher noch das Nachladen von Bildern in E-Mails bestätigen, wird dies nun automatisch durch Google veranlasst.

Um Nutzer vor schädlichen Inhalten in den Bilddateien zu schützen, hat Google einen Zwischenschritt eingebaut: Die Bilder werden nicht mehr vom Ursprungsserver des Versenders, sondern direkt von Google Proxy-Servern aus angezeigt. Google verspricht den Nutzern mehr Sicherheit und einen schnelleren Abruf der E-Mail-Inhalte. Doch was ändert sich für das professionelle E-Mail-Marketing und ist diese Funktion rechtlich überhaupt zulässig? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick.


Das ändert sich für Sie als Marketer

Nachteilige Auswirkungen der automatisierten Bildanzeige

Die Änderung hat zur Folge, dass den Versendern einige Informationen über den Abruf verlorengehen. So ist beispielsweise nicht mehr nachvollziehbar von welcher IP-Adresse eine E-Mail abgerufen wird. Das hat folgende Konsequenzen:

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Keine Geo-Location möglich
Marketer können dadurch nicht mehr nachvollziehen, von welchem Standort und durch welches Endgerät die E-Mail geöffnet wurde.
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Keine Brutto-Öffnungen messbar
Auch Mehrfachöffnungen der gleichen E-Mail sind nicht mehr messbar. Durch die Zwischenspeicherung auf Google Servern bleiben diese Informationen dauerhaft verloren.
bullet.. Keine Bildänderung möglich
Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass durch das Herunterladen von Google keine Bilder nachträglich durch den Versender ausgetauscht werden können. Sofern beispielsweise ein Produkt vergriffen ist, kann das werbende Unternehmen nicht mehr darauf reagieren.

Positive Auswirkungen der automatisierten Bildanzeige

Positiv ist jedoch anzumerken, dass durch die Umstellung das Kundenvertrauen gestärkt werden könnte. Da die Bilder nunmehr pauschal durch Google geladen, anstatt wie vorher unterdrückt werden, ist anzunehmen, dass

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die Netto-Öffnungsrate zunimmt, weil auch die Empfänger, die vorher bei der Öffnung keine Bilder nachgeladen haben, jetzt erfasst werden.
bullet die Werbewirkung höher ist, da die Darstellung mit Bildern ansprechender ist.
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davon auch die Klickrate profitiert, weil dem Empfänger keine Informationen verloren gehen, die auf Bildern enthalten sind.

Kunden müssen sich beim Öffnen eines Newsletters nicht mehr vor Schadsoftware fürchten und sehen nun standardmäßig alle Bilder innerhalb des Newsletters. Zudem bleibt die Messbarkeit der Netto-Öffnungsrate in der Regel erhalten, da das dafür verwendete One-Pixel-Gif individuell pro Empfänger benannt ist und von jedem Empfänger separat geladen werden muss. Im Übrigen werden die Bilder erst dann auf den Google Server geladen, wenn der Nutzer die E-Mail öffnet. Die „Empfangsbestätigung“ wird somit nur nach tatsächlicher Öffnung der Mail ausgelöst.

Mehr Sicherheit für Empfänger

Google begründet diesen Schritt mit zusätzlicher Sicherheit und bequemerer Handhabung für seine Anwender. In einem Blogbeitrag beschreibt Google das geplante Vorgehen. Durch das Herunterladen auf Google Proxy-Server seien die Nutzer vor Schadcode in E-Mail-Bildanhängen gefeit, da Google die Inhalte mit Scannern durchsuche. Zusätzlich entfalle die lästige Bestätigung für das Nachladen externer Inhalte in Mails.

Die zusätzliche Sicherheit des E-Mail-Kontos könnte jedoch mit Einschränkungen der Privatsphäre einhergehen. Bevor ein Nutzer überhaupt die eingegangene Nachricht sieht, wird diese bereits durch Google geöffnet und bearbeitet. Dies geschieht ohne ausdrückliche Einwilligung des Anwenders. Mag diese Maßnahme noch aus Sicherheitsaspekten legitimiert sein, so ist dennoch unklar, ob Google diese zusätzlichen Informationen für eigene Zwecke nutzt. Derzeit ist von einer anderweitigen Nutzung nichts bekannt.

Bitte beachten Sie: Die rechtlichen Aspekte der automatisierten Bildanzeige durch Google werden im nächsten Blogbeitrag noch einmal ausführlich erläutert. Wenn Sie dieses Thema interessiert, dann schauen Sie doch nächsten Donnerstag wieder vorbei.


David Oberbeck, Datenschutzbeauftragter der AGNITAS AGÜber den Autor:

David Oberbeck,
Rechtsanwalt aus Hamburg mit der Spezialisierung auf Datenschutz und IT-Recht. David Oberbeck ist zudem Datenschutzbeauftragter zahlreicher Unternehmen, darunter auch die AGNITAS AG. Er veröffentlicht regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen im IT- und Datenschutzrecht in seinem Blog und in der Zeitschrift Datenschutz-Berater.

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